Wildschäden im Wald

Wildschäden im Wald – Ursachen, Auswirkungen und Bedeutung für die Forstwirtschaft

Bedeutung von Wildschäden im Wald

Wildschäden gehören zu den bedeutendsten Herausforderungen in der modernen Forstwirtschaft. Besonders in jungen Waldbeständen können Schäden durch Schalenwild und andere Wildtiere erhebliche wirtschaftliche und ökologische Folgen verursachen. Vor allem Rehwild, Damwild und Hasen verursachen regelmäßig Verbiss- und Fegeschäden, die die natürliche Waldverjüngung erschweren und die Entwicklung stabiler Mischwälder beeinträchtigen. Die Auswirkungen reichen von Wachstumsverlusten einzelner Bäume bis hin zu langfristigen Veränderungen der Baumartenzusammensetzung ganzer Waldgebiete.

Wildschäden durch Rehwild

Verbiss am Terminaltrieb einer Weißtanne, trotz Schutzmanschette

Das in Mitteleuropa häufig vorkommende Rehwild zählt zu den wichtigsten Verursachern von Wildschäden. Rehe bevorzugen junge, nährstoffreiche Triebe und Knospen vieler Baumarten. Besonders gefährdet sind Tanne, Eiche, Ahorn und andere Laubbaumarten. Während der Wintermonate, wenn das natürliche Nahrungsangebot knapp wird, steigt der Verbissdruck deutlich an.

Dabei werden häufig die sogenannten Terminaltriebe – also die obersten Leittriebe junger Bäume – abgefressen. Gerade bei der Weißtanne stellt dies ein großes Problem dar, da der Verlust des Terminaltriebes zu Verformungen, Zwieselbildung oder Wachstumsverzögerungen führen kann. Wiederholter Verbiss kann dazu führen, dass junge Bäume vollständig absterben oder ihre Konkurrenzfähigkeit verlieren.

Fegeschäden an jungen Bäumen

Neben dem Verbiss verursacht Rehwild auch sogenannte Fegeschäden. Besonders junge Böcke fegen im Frühjahr und Sommer ihr Geweih an dünnen Baumstämmen, um die Basthaut abzustreifen und ihr Revier zu markieren. Dabei wird die Rinde verletzt oder vollständig abgeschält.

Frischer Fegeschaden an ca. 5-6 jähriger Küstentanne aus Naturverjüngung

Solche Verletzungen unterbrechen die Versorgung des Baumes mit Wasser und Nährstoffen. Oft entstehen Eintrittspforten für Pilze und andere Krankheitserreger. Besonders gefährdet sind junge Laub- und Nadelbäume mit glatter Rinde. In schweren Fällen kann das vollständige Ringeln des Stammes zum Absterben des Baumes führen.

Schäden durch Damwild

Auch Damwild verursacht erhebliche Wildschäden. Im Vergleich zum Rehwild tritt Damwild häufig in größeren Rudeln auf, wodurch lokal ein besonders hoher Verbissdruck entstehen kann. Die Tiere bevorzugen ebenfalls junge Triebe und Knospen, schälen jedoch zusätzlich häufig die Rinde älterer Bäume.

Solche Schälschäden treten vor allem in der Winterzeit auf, wenn andere Nahrungsquellen fehlen. Durch das Schälen wird die schützende Rinde großflächig entfernt, wodurch der Baum geschwächt wird und an Stabilität verliert. Zudem steigt das Risiko von Fäulnis und Pilzbefall erheblich. Besonders in wirtschaftlich genutzten Forsten können dadurch erhebliche Qualitätsverluste des Holzes entstehen.

Hasen als unterschätzte Schadverursacher

Hasen werden im Zusammenhang mit Wildschäden oft unterschätzt, können jedoch insbesondere in jungen Kulturen große Schäden verursachen. Feldhasen und Kaninchen benagen bevorzugt die Rinde junger Bäume und Sträucher. Vor allem während schneereicher Wintermonate, wenn bodennahe Nahrung knapp ist, werden junge Stämme intensiv benagt.

Typisch sind dabei ringförmige Fraßschäden im unteren Stammbereich. Wird die Rinde vollständig entfernt, stirbt der Baum meist ab. Besonders betroffen sind Obstgehölze, aber auch junge Forstpflanzen wie Ahorn, Buche oder Tanne.

Ursachen für hohe Wildschäden

Die Ursachen für hohe Wildschäden sind vielfältig. Eine zentrale Rolle spielt die Wilddichte. Dort, wo der Wildbestand höher ist als das natürliche Nahrungsangebot des Lebensraumes, steigt zwangsläufig der Druck auf junge Waldbäume.

Gleichzeitig beeinflussen auch monotone Waldbestände und fehlende natürliche Äsungsflächen das Schadensausmaß. In strukturarmen Wäldern konzentriert sich das Wild häufig auf wenige geeignete Nahrungsquellen. Hinzu kommt, dass milde Winter und fehlende natürliche Feinde in vielen Regionen zu steigenden Wildbeständen geführt haben.

Auswirkungen auf Wald und Forstwirtschaft

Die Folgen von Wildschäden sind sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich bedeutsam. Werden bestimmte Baumarten bevorzugt verbissen, verändert sich langfristig die Baumartenzusammensetzung des Waldes. Besonders empfindliche Arten wie die Weißtanne können lokal stark zurückgedrängt werden.

Dadurch entstehen oft artenarme Bestände mit geringerer Stabilität gegenüber Stürmen, Trockenheit oder Schädlingsbefall. Gleichzeitig entstehen für Waldbesitzer hohe Kosten durch Schutzmaßnahmen, Nachpflanzungen und Wertverluste des Holzes.

Maßnahmen zur Vermeidung von Wildschäden

Um Wildschäden zu reduzieren, kommen verschiedene Maßnahmen zum Einsatz. Dazu zählen Einzelschutzmaßnahmen wie Wuchshüllen oder Verbissschutzmittel ebenso wie großflächige Wildschutzzäune. Letztere sind meist teuer und erhöhen automatisch den Druck auf die nicht eingezäunten Flächen. Langfristig ist jedoch vor allem eine angepasste Wildbestandsregulierung entscheidend.

Ziel ist ein Gleichgewicht zwischen Wildbestand und Lebensraum, sodass sich der Wald natürlich verjüngen kann. Ebenso wichtig ist die Förderung strukturreicher Mischwälder mit vielfältigem Nahrungsangebot für das Wild.

Fazit

Zusammenfassend stellen Wildschäden durch Rehwild, Damwild und Hasen ein zentrales Problem der Forstwirtschaft dar. Verbiss-, Feg- und Schälschäden beeinträchtigen insbesondere junge Waldbestände und erschweren den Aufbau klimastabiler Mischwälder.

Eine nachhaltige Lösung erfordert daher sowohl waldbauliche Maßnahmen als auch eine verantwortungsvolle Wildbewirtschaftung, um den Wald als wertvollen Lebensraum und Rohstofflieferanten langfristig zu erhalten.

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