Die zunehmenden Trockenperioden der vergangenen Jahre stellen Wälder vor große Herausforderungen. Steigende Temperaturen und unregelmäßige Niederschläge führen dazu, dass vielen Bäumen über längere Zeit nicht genügend Wasser zur Verfügung steht. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von Trockenstress. Doch nicht alle Baumarten reagieren gleichermaßen empfindlich auf Wassermangel. Während einige Arten bereits nach längeren Trockenphasen deutliche Schäden zeigen, kommen andere vergleichsweise gut mit heißen und trockenen Bedingungen zurecht.
Was passiert bei Trockenstress?
Bäume benötigen Wasser nicht nur für ihr Wachstum, sondern auch für die Fotosynthese und den Transport von Nährstoffen. Bei Wassermangel schließen sie zunächst ihre Spaltöffnungen in den Blättern oder Nadeln, um weniger Wasser zu verlieren. Hält die Trockenheit an, kann die Fotosynthese jedoch stark eingeschränkt werden.
Typische Folgen von Trockenstress sind:
- welkende oder frühzeitig abfallende Blätter,
- kleinere und weniger entwickelte Blätter,
- vertrocknete Zweige und Kronenteile,
- verlangsamtes Wachstum,
- eine erhöhte Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten.
Besonders problematisch ist die Kombination aus Trockenheit und Hitze. Hohe Temperaturen erhöhen die Verdunstung, während gleichzeitig immer weniger Wasser aus dem Boden verfügbar ist. Geschwächte Bäume können sich dann oft nur schwer gegen zusätzliche Belastungen wie Insektenbefall oder Pilzkrankheiten wehren.
Besonders empfindliche Baumarten
Zu den Baumarten, die unter längerer Trockenheit häufig besonders stark leiden, gehören Arten, die auf frische bis feuchte Standorte angewiesen sind.
Buche
Die Rotbuche gilt als eine der wichtigsten Laubbaumarten in Mitteleuropa. Gleichzeitig kann sie empfindlich auf lang anhaltende Trockenheit reagieren, insbesondere auf flachgründigen oder sandigen Böden. Bei Wassermangel können Buchen frühzeitig Blätter verlieren, wodurch ihre Energiereserven geschwächt werden. Wiederholte Trockenjahre können ganze Kronenpartien schädigen.

Fichte
Auch die Fichte gehört zu den besonders gefährdeten Baumarten. Sie besitzt ein vergleichsweise flaches Wurzelsystem und ist daher stark darauf angewiesen, dass in den oberen Bodenschichten ausreichend Wasser vorhanden ist. Trockenheit schwächt die Fichte zusätzlich und macht sie anfälliger für Schädlinge wie Borkenkäfer. Besonders außerhalb ihrer natürlichen, eher kühlen und feuchten Standorte gerät die Baumart zunehmend unter Druck.

Birke
Birken können zwar mit unterschiedlichen Standorten zurechtkommen, reagieren aber empfindlich auf extreme und lang anhaltende Trockenheit. Ihr Wasserbedarf ist insbesondere in der Wachstumsphase hoch. Bei starkem Wassermangel werfen sie oft frühzeitig Blätter ab und zeigen deutliche Vitalitätsverluste.
Baumarten, die besser mit Trockenheit zurechtkommen
Andere Baumarten besitzen Eigenschaften, die ihnen einen Vorteil bei Wassermangel verschaffen. Dazu gehören tiefe Wurzelsysteme, kleinere Blätter oder eine besonders effiziente Regulierung des Wasserhaushalts.
Eiche
Viele Eichenarten gelten als vergleichsweise trockenheitsverträglich. Besonders Stiel- und Traubeneichen können mit zeitweiligem Wassermangel häufig besser umgehen als beispielsweise Buchen oder Fichten. Ihre tiefreichenden Wurzeln ermöglichen es ihnen, auch Wasser aus tieferen Bodenschichten zu erschließen. Dennoch sind auch Eichen nicht unbegrenzt widerstandsfähig: Extreme und wiederholte Trockenperioden können selbst diese robusten Bäume schwächen.
Kiefer
Die Waldkiefer ist an vergleichsweise trockene und nährstoffarme Standorte angepasst. Ihre Nadeln besitzen eine geringere Oberfläche als breite Laubblätter und reduzieren dadurch den Wasserverlust. Zudem kann die Kiefer auf vielen sandigen Böden wachsen, auf denen andere Baumarten Schwierigkeiten haben. Auch sie kann jedoch bei außergewöhnlich lang anhaltender Trockenheit Schäden erleiden.
Weißtanne
Die Weißtanne wird häufig als eine Baumart betrachtet, die mit wärmeren Bedingungen besser zurechtkommen kann als die Fichte. Ihr tiefreichendes Wurzelsystem ermöglicht es ihr, Wasser aus tieferen Bodenschichten zu erschließen. Dadurch ist sie bei sommerlicher Trockenheit oft weniger schnell betroffen als flach wurzelnde Baumarten.
Allerdings benötigt auch die Weißtanne geeignete Standorte. Besonders auf sehr trockenen, flachgründigen oder wasserarmen Böden kann sie unter lang anhaltendem Wassermangel leiden. Ihre vergleichsweise gute Trockenheitstoleranz bedeutet daher nicht, dass sie für jeden trockenen Standort geeignet ist.
Douglasie
Auch die Douglasie wird im Zusammenhang mit dem Klimawandel häufig als mögliche Alternative für viele Waldstandorte diskutiert. Sie besitzt ein leistungsfähiges Wurzelsystem und kann je nach Standort Trockenperioden besser überstehen als die Fichte. Vor allem auf geeigneten, tiefgründigen Böden zeigt sie häufig eine vergleichsweise gute Widerstandsfähigkeit gegenüber zeitweiligem Wassermangel.
Ihre Trockenheitstoleranz ist jedoch stark vom Standort abhängig. Bei extremer oder lang anhaltender Dürre können auch Douglasien Schäden erleiden. Deshalb sollte ihr Anbau nicht pauschal als Lösung für zunehmende Trockenheit betrachtet werden, sondern an die jeweiligen Boden- und Klimaverhältnisse angepasst werden.
Der Standort ist oft genauso wichtig wie die Baumart
Ob ein Baum Trockenstress erleidet, hängt nicht allein von seiner Art ab. Auch der Standort spielt eine entscheidende Rolle. Ein grundsätzlich trockenheitstoleranter Baum kann auf einem sehr flachgründigen Boden ebenso Probleme bekommen wie eine empfindlichere Art auf einem wasserreichen Standort.
Entscheidend sind unter anderem:
- die Tiefe und Beschaffenheit des Bodens,
- die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern,
- die Konkurrenz durch andere Pflanzen,
- die Temperatur und Sonneneinstrahlung,
- das Alter des Baumes.
Junge Bäume sind besonders gefährdet, weil ihr Wurzelsystem noch nicht weit genug entwickelt ist, um tiefer liegende Wasserreserven zu erreichen. Ältere Bäume verfügen zwar über größere Wurzelsysteme, können aber nach mehreren aufeinanderfolgenden Trockenjahren ebenfalls zunehmend geschwächt werden.
Anpassung an ein verändertes Klima
Angesichts häufiger werdender Hitze- und Trockenperioden gewinnt die Auswahl geeigneter Baumarten zunehmend an Bedeutung. Dabei rücken neben heimischen Arten wie Eiche und Kiefer auch Baumarten wie Weißtanne und Douglasie stärker in den Fokus. Welche Baumart tatsächlich für einen Standort geeignet ist, hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab.
Wälder werden künftig wahrscheinlich stärker aus unterschiedlichen Baumarten zusammengesetzt werden müssen, um Risiken zu verteilen. Mischwälder können dabei Vorteile gegenüber einheitlichen Beständen haben, da unterschiedliche Arten verschieden auf Trockenheit, Krankheiten und Schädlinge reagieren.
Fazit
Trockenstress ist für Bäume zu einer der größten Herausforderungen des Klimawandels geworden. Besonders empfindliche Arten wie Buche und Fichte geraten bei lang anhaltendem Wassermangel zunehmend unter Druck. Vergleichsweise widerstandsfähige Arten wie Eichen, Kiefern, Weißtannen und Douglasien können Trockenperioden unter geeigneten Standortbedingungen häufig besser überstehen.
Eine allgemein gültige Rangliste der „trockenheitsfestesten“ Baumarten gibt es jedoch nicht. Entscheidend bleiben immer die örtlichen Bedingungen, insbesondere Boden, Wasserspeicherfähigkeit und Klima. Für die Zukunft der Wälder wird deshalb eine vielfältige Mischung standortgerechter Baumarten eine wichtige Rolle spielen. Nur so lassen sich die Risiken zunehmender Trockenheit und anderer Folgen des Klimawandels langfristig besser verteilen.
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